Der Heinrich Heine-Journalismuspreis

Der Verein Düsseldorfer Journalisten (VDJ) kümmert sich bereits seit Jahren um den Nachwuchs: Seit 2010 küren wir in Kooperation mit dem sozialwissenschaftlichen Institut der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf wechseljährlich ausgezeichnete journalistische Arbeiten mit Bezug zur NRW-Landeshauptstadt und hochwertige Abschlussarbeiten mit journalistischem Bezug. Dies ist unsere Chronik sämtlicher Preisträger:innen des „Heinrich Heine-Journalismuspreises“ .

Auf einen Blick: Alle bisherigen Preisträger:innen des Heinrich Heine-Journalismuspreises


Exzellente Nachwuchsförderung: Unsere Chronik ausgezeichneter Arbeiten in Wissenschaft und Praxis

Heinrich Heine-Journalismuspreis 2020 (Praxis)

Der Verein Düsseldorfer Journalisten (VDJ) hat im Januar 2021 drei Journalist*innen mit dem Heinrich-Heine-Journalismuspreis 2020 ausgezeichnet. Der Preis für journalistische Nachwuchstalente bis 35 Jahre wurde bereits zum fünften Mal vergeben und ist mit 2.000 Euro dotiert. Aus den insgesamt 24 eingereichten Arbeiten aus Print, Rundfunk und Social Media wurden jene ausgezeichnet, die sich durch Brillanz in Sprache, Stil und Form auszeichnen, und einen Bezug zu Düsseldorf haben. Dabei wurde im Jahr 2020 erstmals ein dezidierter Düsseldorf-Preis vergeben. Die Jury unter dem Vorsitz von Dr. Sabine Brenner-Wilczek, Direktorin des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf, begründet ihre Auswahl wie folgt.

1. Preis: Paulina Würminghausen, 23, Studentin der Journalistik an der TU Dortmund, für „Für mich klatscht keiner“.

Ein Feature für die Welt am Sonntag NRW, über eine pflegende Angehörige in Zeiten von Corona.

In ihrem Feature greift Paulina Würminghausen den Alltag einer berufstätigen Frau auf, die sich um ihre demente Mutter kümmert und dabei kaum auf staatliche Unterstützung zählen kann. Mit hohem sprachlichem Feingefühl schildert sie die daraus entstehenden Nöte und Zwänge. Sie öffnet dem Leser dabei ebenso informativ wie ergreifend Zugang zu einem Thema, dessen hohe gesellschaftliche Relevanzvielfach eine eher untergeordnete Resonanz erfährt.

2. Preis: Katja Scherer, 31, freie Wirtschaftsredakteurin, für „Was Frauenquoten für Männer bedeuten“.

Ein Radiofeature für den Deutschlandfunk.

Katja Scherer gelingt es, das Thema Frauenquote unvoreingenommen und überaus differenziert zu beschreiben. Sie geht dabei deutlich über die bekannten Argumente hinaus, beleuchtet die verschiedenen Perspektiven, schildert die Konsequenzen und liefert tiefergehende Erklärungsansätze. Gleichzeitig gelingt es ihr, das Thema anschaulich aufzubereiten und die verschiedenen Interessengruppen damit gleichermaßen zu erreichen.

Düsseldorf-Preis: Hamzi Ismail, 33, freier Journalist, für „Hamzi ’ne Frage?“

Ein selbst erstelltes Konzept für die WDR Lokalzeit Düsseldorf, in dem Fragen der Zuschauer zu Düsseldorf und der Region aufgegriffen werden.

Hamzi Ismail hat mit seinem TV-Konzept für die WDR Lokalzeit einen Weg gefunden, seit fünf Jahren mit kleinen, lehrreichen Geschichten einen Beitrag zum Verständnis der Geschichte Düsseldorfs und seiner Umgebung zu leisten. Ismail gelingt es durch seine spontane Art, historische Aspekte spannend und unterhaltsam darzustellen. Die nur wenige Minuten langen Filmbeiträge sind lebendig, modern produziert und inhaltlich oft überraschend.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2019 (Wissenschaft)

„Mein Name ist Detlef Schlockermann, ich freue mich, dass ich heute hier den Heinrich-Heine-Journalismuspreis verleihen darf – für zwei starke Beiträge zur Journalismusforschung. Ich vertrete dabei die Jury, zu der neben dem NRW-Chef der Zeitung Die Welt, Andreas Fasel, auch der Ihnen sicher bekannte Prof. Dr. Ziegele und Frau Magistra Katharina Esau gehören. Zuerst möchte ich mich aber bei den Verantwortlichen Ihrer Universität dafür bedanken, dass wir die Gelegenheit haben, in dieser feierlichen Runde die Preise zu überreichen.

Christine Buse: „Aufbruch in den Untergang? Wirklichkeitskonstruktionen und Framing von Cyberbedrohungen in der internationalen Online-Berichterstattung“

Dafür verspreche ich, mich angemessen kurz zu halten. Lassen Sie mich mit der diesjährigen 1. Preisträgerin anfangen: Christine Buse ist es gelungen, in Ihrer Bachelorarbeit zu zeigen, wie sehr die Berichterstattung von Medien unsere Wahrnehmung beim Thema Cybersicherheit beeinflusst. Manche sprechen gar von Cyberkrieg und existenziellen Bedrohungen. Ich verweise nur auf den seit Monaten tobenden Streit über Hacker, die vermeintlich den Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton beeinflusst haben. In der politischen Wirklichkeit werden solche Themen nicht selten genutzt, um demokratische Verfahren auszuhebeln und Grundrechte (vorübergehend) außer Kraft zu setzen. Über 600 Online-Artikel internationaler Qualitäts-Medien hat Christine Buse ausgewertet. Am Ende steht das Ergebnis, dass die Berichterstattung nicht die gesellschaftliche Realität spiegelt, sondern von einer zunehmenden Politisierung geprägt ist.

Wenn ich einen Satz von Prof. Dr. Vowe zitieren darf: „Die Fragestellung ist auch kommunikationspraktisch von Bedeutung, denn ein systematisches Bild der Medienberichterstattung liefert Journalisten Hinweise auf Verbesserungspotenziale z.B. auf vernachlässigte Themen.“ „Hinweise auf Verbesserungspotenziale“, netter konnte das Prof. Vowe nicht formulieren. Wie sie sehen, er ist grundsätzlich optimistisch, dass auch Journalisten noch dazulernen können. Ich werde dem nicht widersprechen.

Selina Marie Dietl:Counter Speech auf Social Media – Unter welchen Umstanden greifen Menschen intervenierend in inzivile Online-Diskussionen ein?“

Die Jury will eine weitere Bachelor-Arbeit lobend erwähnen, die von Selina Marie Dietl. Sie ist der Frage nachgegangen, unter welchen Umständen sich Menschen in inzivile Online-Diskussionen einmischen und welchen Einfluss sie dabei haben. Inzivil – ist ein wenig bildungssprachlich. Gemeint sind die Hass-Kommentare in den Sozialen Medien. Ich arbeite für eine große Öffentlich-rechtliche Anstalt mit Sitz in Köln, die kurz nach Weihnachten schlechte Erfahrungen mit Social Media im allgemein und mit Musiksatire über Omas speziell gemacht hat.

Der Optimismus, dass in den so genannten Sozialen Medien die Menschen sich selbst kontrollieren und nicht andere Menschen oder Gruppen beleidigen und bedrohen – der ist mir seit spätestens in den vergangenen Wochen ein wenig abhanden gekommen. Insofern hat Frau Dietl schon das Thema mutig gewählt. Gut 1.200 Facebook-Teilnehmer hat Sie befragt. Richtig ermutigend sind die Ergebnisse leider nicht, insbesondere was die Resultate solcher Einmischungen betrifft. Ein gewisses Defizit in der Interventionsbereitschaft der Onliner bleibt bestehen.

Interessanterweise fördert aber die Erwartung, selbst persönlich angegriffen oder beleidigt zu werden, sogar die Bereitschaft sich zu beteiligen. Wichtig bleibt aber die Frage, wie schwer die Verstöße gegen die Netiquette sind und ob man eine gewisse eigene Verantwortung empfindet. Dennoch sind solche Erhebungen im Detail hilfreich für Journalisten, um die Mechanismen von Hassrede in Sozialen Medien besser zu verstehen und vielleicht geschickter als bislang durch Moderation für ein positiveres Klima in den Timelines beispielsweise bei Facebook zu sorgen.

Das ist ein wenig so wie beim Thema Lernfähigkeit von Journalisten: Man muss optimistisch bleiben. In diesem Sinne wünsche ich dieser Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden einen schönen Abend!“


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2018 (Praxis)

Der Verein Düsseldorfer Journalisten (VDJ) hat drei Journalisten mit dem Heinrich–Heine–Journalismuspreis 2018 ausgezeichnet. Zum Wettbewerb eingereicht waren 21 überwiegend hochklassige Arbeiten – teils aufwändige Multimedia-Produktionen – von 18 Journalistinnen und Journalisten bzw. Teams. Die Preise wurden in einer kleinen Feierstunde in der Bibliothek des Heine-Instituts in der Düsseldorfer Altstadt überreicht und gingen an:

1. Preis: Stephan Scheuer (33), Redakteur beim Handelsblatt

„Der ganz normale Wahnsinn“, eine Reportage über Nordkorea

In seiner aufwändigen Reportage „Der ganz normale Wahnsinn“, erschienen im Handelsblatt vom 8.6.2018, liefert Stephan Scheuer spannende und verstörende Einblicke in Nordkoreas Wirtschaft und Ideologie. Er schildert die Schwierigkeiten, als Journalist Zugang zu diesem Land zu bekommen, und die konstante Beobachtung und Lenkung während seines Aufenthaltes. Scheuer fragt kritisch und distanziert vor Ort nach, und dadurch gelingt ihm ein Blick auf die Realität hinter dem vorgeführten Anschein. Der Text ist sachlich, gleichwohl persönlich und sprachlich brillant geschrieben. Während seines Besuchs hat Scheuer mehr als 30 kurze Videos gedreht, die seine Schilderungen eindrucksvoll unterstreichen.

2. Preis: Sebastian Dalkowski (35), Redakteur bei der Rheinischen Post

„Zwölf Meter über dem Meer“, eine Reportage über ein Dorf an der niederländischen Grenze

In seiner Reportage „Zwölf Meter über dem Meer“, erschienen in der Rheinischen Post vom 7.4.2018, beschreibt Sebastian Dalkowski den Alltag in Hassum an der niederländischen Grenze. Mit vielen Details zeigt er auf, wie das Dorf mit seinen 1143 Einwohnern langsam ausblutet. Gleichzeitig stemmen sich einige Bewohner dagegen und versuchen, mit ihrem Engagement eine lebendige Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. Durch die direkte Adressierung macht Dalkowski aus einem konsumierenden Leser einen Beteiligten. Das ist ebenso unkonventionell wie überraschend, und macht seine Schilderungen überaus lebendig.

2. Preis: Holger Fröhlich (35), Redakteur Brand Eins

„Der Herr des Vergessenen“, ein Porträt über einen Mitarbeiter des Fundbüros der DB

In seiner Reportage „Der Herr des Vergessenen“, erschienen in Brand Eins Heft 10/18, portraitiert Holger Fröhlich einen langjährigen Mitarbeiter des Zentralen Fundbüros der Deutschen Bahn. Er beschreibt anschaulich und mit vielen, teils wenig bekannten Informationen versehen die komplexen Hintergründe der Fundsachenlogistik. Die Dramaturgie in Föhlichs lebendigem Text ist ebenso präzise wie die Platzierung seiner skurrilen und unterhaltsamen Pointen. Ihm gelingt damit die Erklärung der großen Welt im Kleinen, womit er den Leser bis zum Schluss zu fesseln versteht.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2017 (Wissenschaft)

Der Heinrich-Heine-Journalismuspreis 2017 ging an Studierende der Uni Düsseldorf. Der Preis wird seit 2012 vom Verein Düsseldorfer Journalisten in Zusammenarbeit mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Uni Düsseldorf verliehen, und zwar in jährlichem Wechsel an Einreichungen von Journalisten bis 35 Jahre und an Master- und Bachelorarbeiten, die mit der Note 1,5 oder besser bewertet wurden.

v.l.n.r.: Julie Eedelmann-Veith, Laura Leißner, Lena Katharina Wilms, Detlef Schlockermann

Eingereicht wurden Arbeiten aus dem Zeitraum 2016/17. Die Jury, bestehend aus Journalisten und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, kam unter dem Vorsitz von Dr. Willi Keinhorst, Redaktionsleiter der WELT am Sonntag NRW, zu einem einstimmigen Urteil und vergab zwei erste Plätze. Beide Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag zur Journalismusforschung und wurden mit je 1.000 Euro ausgezeichnet.

Die Masterarbeit von Laura Leißner „Deliberative Qualität im medialen Diskurs? Eine Analyse am Beispiel der TTIP-Berichterstattung in den deutschen Printmedien“ überzeugte die Jury mit rhetorischer Brillanz und hohem inhaltlichen Anspruch. Leißner hatte den medialen Diskurs zum Thema TTIP untersucht, der beherrscht und überlagert war von einer starken Vermischung von Meinungen und Fakten, überwiegend von TTIP-Gegnern.

Die Bachelorarbeit von Lena Katharina Wilms „Mediales Repräsentationsgefühl in Deutschland. Eine quantitative Bestandsaufnahme in Abhängigkeit zur politischen Milieuzugehörigkeit“ besticht laut Jury als Teil eines Forschungsprojekts über politisch-kommunikative Milieus in Deutschland durch ihr hohes Reflektionsniveau und ihre anspruchsvolle Methodik. Die Ergebnisse, nämlich die zunehmende Heterogenisierung des Publikums hinsichtlich der politischen Werte und die damit einhergehende Abkopplung von Massenmedien, besitzen eine hohe gesellschaftliche Relevanz.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2016 (Praxis)

Der Verein Düsseldorfer Journalisten (VDJ) zeichnete in Kooperation mit der Universität Düsseldorf drei Journalistinnen mit dem Heinrich–Heine–Journalismuspreis 2016 aus. Zur Verleihung des mit 2.000 Euro dotierten Preises waren zahlreiche Gäste ins Heinrich-Heine-Institut gekommen.

Der Vorsitzende der Jury, Dr. Willi Keinhorst, NRW-Redaktionschef WELT am Sonntag, zeigte sich in seinem Grußwort erfreut, dass die eingereichten 36 Arbeiten von 25 Journalisten aller Mediengattungen von hohem handwerklichen Niveau seien. „TV und Multimedia waren gut vertreten, aber auch Print ist nach wie vor höchst lebendig“, stellte er zufrieden fest. „Es zeigt sich eindrucksvoll, dass für die jungen Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Wettbewerb teilgenommen haben, Journalismus offensichtlich immer noch ein Traumberuf ist“.

Der Jury gehörten neben Dr. Willi Keinhorst noch Prof. Dr. Olaf Jandura und Dr. Pablo Porten-Cheé vom Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf an sowie Dr. Sabine Brenner-Wilczek, Direktorin des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf, Autorin Pamela Granderath und Detlef Schlockermann, Julie Edelmann-Veith und Christof Rose vom Vorstand des Vereins Düsseldorfer Journalisten.

1. Preis: Anna Gauto (36, Redakteurin beim Handelsblatt)

In Ihrem Beitrag „Die eingebildeten Kranken“ für Wirtschaftswoche online vom 29.2.2016 greift Anna Gauto, Handelsblatt-Redakteurin, ein aktuelles, gleichwohl weitgehend unbekanntes Thema auf. Ihre Reportage aus der Notfallambulanz eines Düsseldorfer Krankenhauses ist überaus lebendig geschrieben und vermittelt dem Leser ein anschauliches Bild von der hektischen Situation, geschildert aus der Sicht einiger diensthabender Ärzte. Der Text verbindet ihr subjektives Erleben mit objektiven Fakten, welche die Dimension der Thematik deutlich machen. Denn Patienten, die mit Husten oder Schnupfen die Notaufnahmen verstopfen, kosten jährlich Milliarden Euro und haben sich zueinem ernsten wirtschaftlichen Problem für Kliniken entwickelt. Damit liefert Gauto ein Feature, das nicht nur den Zustand in deutschen Notfallambulanzen schildert, sondern auch ein Schlaglicht auf die psychosoziale Verfassung in Teilen der Bevölkerung wirft.

2. Preis: Anna-Maria Schuck (27, Reporterin und Redakteurin bei ZDF „heute“ und „heute+“)
In ihrem Beitrag „Union-Busting in Deutschland: Betriebsräte unter Druck“ schildert Anna-Maria Schuck in der ZDF-Sendung „WISO“ am 11.4.2016 am Beispiel eines Mitarbeiters der Firma KIK, wie Unternehmen und darauf spezialisierte Anwaltskanzleien Betriebsräte systematisch unter Druck setzen. Sie recherchiert teilweise verdeckt, gibt aber allen Beteiligten die Gelegenheit zu Stellungnahmen und kommuniziert die Ergebnisse, soweit rechtlich möglich und von den Beteiligten gewünscht, vor der Kamera. Ihre Sprache ist klar und direkt, ihr Beitrag dramaturgisch gut aufgebaut, methodisch sauber recherchiert und spannend aufgearbeitet. Für die Jury ein überzeugendes Beispiel für investigativen Journalismus.

3. Preis: Jennifer Töpperwein (32, Chefredakteurin YouPod).
Jennifer Töpperwein ist verantwortlich für das Düsseldorfer Jugendportal youpod.de, ein multimediales Informations- und Mitmach-Portal für Düsseldorfer Jugendliche. Anlässlich des NRW-Festes zum 70. Geburtstag des Landes hat sie in ihrem Beitrag „70 Jahre Jugend in Düsseldorf“ das Lebensgefühl Düsseldorfer Jugendlicher in den letzten sieben Jahrzehnten durch Fotostrecken, Informationen und Videointerviews anschaulich vermittelt. Das überaus rechercheintensive Projekt, veröffentlicht am 25.8.2016, hat hohen dokumentarischen Charakter und ist medial und technisch einwandfrei aufgebaut. Die Jury würdigt den crossmedialen Ansatz dieser Arbeit und die thematische Stringenz. Besonders hervorheben will sie auch das Engagement von Jugendlichen, sich im Journalismus zu engagieren und zu erproben.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2015 (Wissenschaft)

Katharina Tielsch: „Fallbeispieleffekte auf dem Prüfstand – Der Einfluss von Fallbeispielen und summarischen Realitätsbeschreibungen auf die Wahrnehmung und die Urteilsbildung von Rezipienten“
Raphael Kösters: „Politik im Boulevard – Untersuchung des Politikvermittlungspotenzials von Boulevardmagazinen im deutschen Fernsehen“


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2014 (Praxis)

Die Preisträger des Heinrich-Heine-Journalismuspreis 2014 stehen fest. In diesem Jahr werden drei Gewinner für ihre herausragenden Beiträge geehrt, die sich durch die in der Ausschreibung geforderte „Brillanz in Sprache, Stil und Form“ auszeichnen.

1. Preis: Massimo Bognanni (30, Handelsblatt) „Der Spion in der Grauzone“

In seinem Beitrag „Der Spion in der Grauzone“ schildert Massimo Bognannidie Geschichte einer Steuerberaterin, die nach einem Skiunfall eine Berufsunfähigkeitsrente zugesprochen bekommt. Die Versicherung jedoch will sich damitnicht abfinden und lässt die Frau von Detektiven ausspähen. Bognanni gelingt es, mit seinem Beitrag die oft düster erscheinende Welt privater Ermittler zu erhellen. Der Beitrag ist exzellent recherchiert, mit vielen Fakten versehen, die so eingearbeitet sind, dass das sperrige Thema für den Leser bis zu letzten Zeile spannend wie ein Krimi bleibt. Bognannis Schreibstil ist unaufgeregt, uneitel und überaus sauber und klar.

2. Preis: Simon Book (28, Handelsblatt) „Erhards Enkelin?“

n seinem Artikel „Erhards Enkelin?“ verfolgt Simon Bookden politischen Werdegang der Sarah Wagenknecht von der überzeugten Kommunistin hin zur selbsternannten Enkelin des Vaters der sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Ehrhard. Books Beitrag ist umfassend recherchiert und kunstvoll strukturiert. Die Auswahl seiner Interviewpartner ist gut gewählt, um ein abgerundetes Bild zu zeichnen. Der Autor steht im persönlichen Austausch mit der Portraitierten, hält aber zu jeder Zeit die gebotene professionelle Distanz. Sein journalistischer Stil ist gut und packt den Leser.

3. Preis: Arne Lieb (34, Rheinische Post) „Anleitung für Oberbürgermeister“

Einen Tag vor der Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Düsseldorf gibt Arne Lieb in seiner „Anleitung für Oberbürgermeister“ dem zukünftigen Amtsinhaber „wertvolle“ Tipps. Der Beitrag von Lieb ist originell, kurzweilig und zeugt von Hintergrundwissen. Liebbeschreibt anschaulich die vielfältigen Aufgaben eines OB und dürfte durch die direkte Ansprache im Stil eines „offenen Briefs“ auchpolitisch weniger interessierte Leser für die Thematik gewinnen. Er schreibt klare, schlanke Sätze und überzeugt durch geschickt formulierte Gedanken-Verbindungen.

Das  Niveau  der  eingereichten  Arbeiten  war  enorm  hoch –und  zwar  durchgängig“, konstatiert der Vorsitzende  der  Jury und  Redaktionsleiter  NRW  der WELT  am Sonntag, Dr.  Willi  Keinhorst.  „Das handwerkliche Können und  das  professionelle Gespür dieser jungen Kollegen sichern die hohe journalistische Qualität, mit der sich Medien zukünftig den entscheidenden Wettbewerbsvorsprung verschaffen können. Für   den VDJ-Vorsitzenden Detlef   Schlockermann ist   der   Wettbewerb   eine Plattform  für  junge  Journalisten,  sich  der  Öffentlichkeit  ebenso  wie  der  eigenen Branche zu präsentieren. „Die Auszeichnung mit einem unabhängigen Preis wie dem Heinrich-Heine-Journalismuspreis kann sich durchaus als Sprungbrett herausstellen.

Der Jury  gehörten  darüber  hinaus Professor  Olaf  Jandura  und  Dr.  Cordula  Nitsch vom Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Dr. Sabine  Brenner-Wilczek,  Direktorin  des  Heinrich-Heine-Instituts  Düsseldorf, sowie Ursula  Posny,  Christof  Roseund  Julie  Edelmann-Veith  vom  Vorstand  des  Vereins Düsseldorfer Journalisten an.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2013 (Wissenschaft)

Cathrin Erbstößer, Teresa Cuenca Fernandez und Marcel Winter haben den Heinrich-Heine-Journalismuspreis erhalten, den der Verein Düsseldorfer Journalisten jährlich ausschreibt, um eine Brücke vom praktischen Journalismus zur Hochschule zu schlagen. Der VDJ-Vorsitzende Detlef Schlockermann überreichte die Auszeichnungen und die Schecks (insgesamt tausend Euro) im Rahmen der Examensfeier der Heinrich-Heine-Universität.

Er habe allergrößten Respekt vor der zielstrebigen Arbeit der Studenten, sagte Schlockermann: „Viele können erstklassige Studienergebnisse vorweisen, längere Auslandsaufenthalte zieren den Lebenslauf, viele sprechen mehr als zwei Sprachen fließend.“ Er gestehe, dass er viel länger für sein Studium gebraucht habe. Deshalb habe er auch viel Zeit gehabt, Artikel für Zeitungen zu schreiben – „für erschüttend wenig Geld übrigens“. Wer Journalist werden wolle, habe es nicht leicht. Dennoch sollten sich die jungen Leute nicht entmutigen lassen, denn unser Berufsstand brauche intelligente Kollegen, die beispielsweise statistische Methoden beherrschen und denen Datenjournalismus ein Begriff sei.

Als besten Beitrag zur Journalismusforschung im Rahmen einer Masterarbeit am Sozialwissenschaftlichen Institut der Heinrich-Heine-Universität wählte die Jury die Arbeit von Cathrin Erbstößer aus. Sie hat politische Weblogs von Journalisten und Privatleuten untersucht. Ihr Ergebnis: Die Profession macht beim Verfassen von politischen Weblogs keinen bzw. kaum einen Unterschied. Für Frau Erbstößer, die bereits einen Job hat und für die Examensfeier von ihrem Chef nicht „frei“ bekam, nahm die betreuende Professorin Christiane Eilders die Urkunde entgegen.

Der Preis für die beste Bachelor-Arbeit geht zu gleichen Teilen an Teresa Cuenza Fernandez und Marcel Winter. Beide sind 22 Jahre alt und wollen zunächst ihren Master machen. Teresa Cuenca Fernandez untersucht die Qualtität politischer Talkshows am Beispiel der Sendungen von Günther Jauch und Stefan Raab. Sie zeigt mit ihrer Datenerhebung, dass beide Sendungen sich in ihrem Argumentationsniveau und in ihrem Umgang mit den Gästen kaum unterscheiden. Raabs Talkshow „Absolute Mehrheit“ erreicht dabei aber deutlich mehr jüngeres Publikum als Günther Jauch in der ARD. Marcel Winter hat Leserkommentare unterschiedlicher Tageszeitungen untersucht. Und beeindruckte die Jury damit, dass er auf sehr hohem Niveau öffentlichkeitstheoretische Überlegungen von Jürgen Habermas und anderen auf die Rolle der Massenmedien überträgt.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2012 (Praxis)

Zum zweiten Mal haben die Heinrich-Heine-Universität und der Verein Düsseldorfer Journalisten (VDJ) einen Nachwuchspreis vergeben. Mehr als 20 Arbeiten waren der Jury eingereicht worden. In der saßen Prof. Dr. Carsten Wünsch, Sozialwissenschaftler an der Düsseldorfer Universität, Prof. Dr. Anton Kruse, ehemaliger Leiter des gastgebenden Heinrich-Heine-Instituts, sowie die VDJ-Vorstände Ulla Posny, Christof Rose, Julie Edelmann-Veith und Jürgen Reker. Drei Zeitungsreportagen wurden bei einer Feierstunde mit Geldpreisen in Höhe von insgesamt 1000 Euro ausgezeichnet.

Sieger ist ein im Handelsblatt erschienener Artikel von Fabian Gartmann. Der junge Redakteur hatte die Geschichte eines Deutschen dokumentiert, der 5000 Anleger in Rekordzeit um rund 500 Millionen Dollar betrogen hat. Den zweiten Platz belegte Sebastian Dalkowski mit einer Reportage in der Rheinischen Post über ein Hostel, von dem aus die Gäste am Wochenende zu Junggesellenabschieden und zumParty-Machen in die Düsseldorfer Altstadt starten. Den dritten Preis erhielt Thomas Becker für seine Beobachtung über die Arbeit und Begegnungen eines Insolvenzverwalters. Der Artikel erschien in der evangelischen Zeitschrift Chrismon.

Nach der Urkundenübergabe diskutierten Preisträger, Juroren und die rund 40 Gäste über das Thema Qualität im Journalismus. Die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser mahnte an, die publizistische Qualität gerate bei den Umstrukturierungen in den Zeitungsverlagen zunehmend zu einer beliebigen Verhandlungsmasse, und die sonst so prägende Haltung einer Zeitung verwische immer mehr. Der Chef der NRW-Redaktion der Welt am Sonntag, Dr. Willi Keinhorst, plädierte dafür, die Regionalzeitungen sollten ihre Kompetenz erkennen und sich stärker auf die Lokalberichterstattung konzentrieren, statt alle Ressorts abzudecken. Dem widersprachen jedoch einige Kollegen.

Freie Journalisten in der Runde merkten an, es gebe zwar viel Fläche zu füllen, doch könne qualitative Berichterstattung zum Beispiel bei einer Drei-Tage-Recherche nicht mit 100 Euro abgegolten werden. Die Geschäftsmodelle der Verlage stünden im krassen Gegensatz zum journalistischen Anspruch. Die Zukunft besonders für Freiberufler liege im Online-Bereich, waren sich Viele an diesem Abend einig.

Die Ausbildung an den Journalistenschulen gehe klar in diese Richtung. Auf den Internetseiten seien schon jetzt Dossiers möglich, die jede Tageszeitung blass aussehen ließen, erklärte Fabian Gartmann, der Preisträger des ersten Preises. Der junge Journalist verwies auf Entwicklungen in den USA. Wenn Online-Zeitungen durch zahlende Abonnenten und Werbung Umsatz bringe, seien ausreichend Arbeitsplätze für den journalistischen Nachwuchs gesichert, so seine Meinung.


Heinrich Heine-Journalismuspreis 2011 (Wissenschaft)

Der Verein Düsseldorfer Journalisten (VDJ) hat vier Studierende der Universität Düsseldorf für ihre Arbeiten zur Journalismusforschung mit dem Heinrich-Heine-Journalismuspreis ausgezeichnet. Friederike von Vincke (Köln), Shoshana Schnippenkoetter und Philipp Henn (beide Düsseldorf) sowie Rebekka Merholz aus Solingen hatten die Jury durch ihre herausragenden Arbeiten überzeugt. VDJ-Vorsitzender Christof Rose überreichte die Auszeichnung am 30. Januar 2012 vor mehr als 600 Teilnehmern im Rahmen der Examensfeier der Philosophischen Fakultät in Düsseldorf.

Der Preis für die beste Master-Studienarbeit ging an das Team Schnippenkoetter (25), von Vincke (26) und Henn (25). In ihrer Forschungsarbeit zur Massenkommunikation beschäftigen sie sich mit dem sogenannten „Hostile-Media-Effekt“. Dieser Effekt beschreibt das Phänomen, dass Leser/Hörer/Zuschauer die Medien-Berichterstattung über strittige Themen wie z.B. Windkraftanlagen – unabhängig von der tatsächlichen Ausgewogenheit – als einseitig und verzerrt wahrnehmen, und zwar immer zugunsten der jeweils konträren Meinung. Rebekka Merholz (25) wurde für ihre Bachelor-Arbeit mit dem Titel „Wachhund oder neutraler Vermittler. In welcher Berufsrolle sehen sich Nachwuchsjournalisten?“ ausgezeichnet. Die Jury würdigte die methodisch saubere und beeindruckend umfangreiche Befragung von mehr als 300 jungen Leuten an den deutschen Journalistenschulen. Aus den profunden empirischen Befunden lassen sich Konsequenzen für Ausbildung, Motivation und Organisation von Nachwuchsjournalisten ableiten.

Shoshana Schnippenkoetter und Friederike von Vincke wollen nach ihrem Masterabschluss auf die andere Seite des Journalistenschreibtischs wechseln, nämlich in die PR auf Unternehmensseite. Rebekka Merholz, die neben ihrem Studium ein Volontariat bei Radio Wuppertal absolviert, hat erkannt, dass die elektronischen Medien ihre Berufung sind. Sie will beruflich dem Radio oder Fernsehen treu bleiben. Der einzige Mann im Bunde, Philipp Henn, bleibt an der Uni, um dort eine akademische Laufbahn einzuschlagen.