Verein Düsseldorfer
Journalisten

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Von: Andreas Vollmert (Text), Roland Scheidemann (Bild)

Lust, Qual und Trieb

Ein Abend mit dem Medienkritiker Hans Hoff

Rechte: Roland Scheidemann

Ein hochinteressantes Gespräch - Hans Hoff und Frank Überall

Rechte: Roland Scheidemann

Reges Interesse - Viele Düsseldorfer Journalisten kamen zum Jour Fixe

Rechte: Roland Scheidemann

Viel Lob - Ursula Posny (Mitte) organisierte den Abend im Heinrich-Heine-Institut



Welche Sendung im deutschen Fernsehen er am schlechtesten findet? Hans Hoff muss nicht lange nachdenken: „Das Boulevard-Magazin Bristant! Obwohl“, Hoff überlegt kurz, „Hallo Deutschland ist noch unterirdischer.“ Wirklich traurig ist er darüber aber nicht, denn „das gibt mir Arbeit!“

Hans Hoff kommt in Fahrt, wenn er solche Fragen gestellt bekommt. Der Verein Düsseldorfer Journalisten hat den deutschlandweit bekannten Medienkritiker zum Gespräch eingeladen. Frank Überall, Journalistik-Professor in Köln und Mitglied im Bundesvorstand des DJV, ist an diesem Abend sein Sparringspartner im Heinrich-Heine-Institut.

Für den diplomierten Sozialpädagogen Hoff ist es ein Heimspiel. Angefangen hat er seine Journalistenkarriere, damals noch langhaariger Sozialpädagogik-Student, beim Musikfachblatt „Sound“. Seine Plattenkritiken schrieb er nach eigener Aussage „ohne Rücksicht auf Verluste“. Bei einem Konzert traf er einen Redakteur der Rheinschen Post. Der holte ihn zur RP, nachdem Hoff das Studium abgeschlossen hatte. Danach arbeitete er zehn Jahre lang als festangestellter Zeitungsredakteur, nach einem Zerwürfnis mit dem neuen RP-Chefredakteur reichte er die Kündigung ein.

Seitdem ist Hans Hoff selbständig, hat sich vor einigen Jahren mit seiner Frau aus seiner Geburtsstadt Düsseldorf zurückgezogen und lebt heute im Eifelstädtchen Nideggen, „mit ständigem Blick aus dem Bürofenster auf mehrere weidende Esel“. Von dort aus schreibt er regelmäßig für die Medienseiten der großen Tages- und Wochenzeitungen, aber auch für die DJV-Monatszeitschrift „Journalist“ und für das Düsseldorfer Veranstaltungsmagazin „Biograph“. Seine Texte sind meist bissige Analysen von Fernsehsendungen. Auf einem überdimensionalen Bildschirm im Büro schaut er TV-Shows, Doku-Soaps und neue Formate an. Selten fallen die Kritiken positiv aus, „Redaktionen und Leser wollen wie in der Kultur eher den Verriss“, ist Hoff sicher.

Sich inhaltlich mit Zeitungsberichten und Verlagshäusern auseinander zu setzen, scheut der 57-Jährige ebenfalls nicht. Dass die eigene Auftragslage auch schon mal nach einem kritischen Text sinken kann, musste Hoff mehrfach erfahren. So hatte er in der Süddeutschen Zeitung über die Medienlandschaft in NRW geschrieben und dabei besonders das „Langeweilemonopol“ eines Kölner Verlagshauses beklagt. „Darauf hin bekam ich von Dumont keine Aufträge mehr.“ Dennoch zeigt er sich häufig unnachgiebig, auch im Umgang mit langjährigen Auftraggebern: „Man muss zweimal im Jahr in jeder Redaktion austicken und mit Kündigung drohen, sonst glauben die Redakteure, sie können alles mit Dir machen. In der Regel kommt ein Liebesbeweis zurück.“

Bei alledem stellt der unbeugsame Medienkritiker fest: „Der größte Freund und Feind des freien Journalisten ist der Redakteur. Mancher läuft mit Minderwertigkeitskomplexen und Angst durch die Verlagsräume und befürchtet ständig, die Konferenz könnte die eigenen Vorschläge nicht annehmen.“ Und noch eine Erkenntnis haben die Jahre gebracht: „Redakteure erfüllen das, was die Verlagsleitung mit ihren Sparplänen vorgibt.“

Auf den Begriff „Qualitätsjournalismus“ reagiere er inzwischen allergisch, das sagt Hans Hoff mehrfach an diesem Abend. Aus gutem Grund: „Wir sind nicht mehr die Spürhunde des neuesten Skandals. Wir machen leere Seiten voll. Redakteure holen sich die Infos aus Internetportalen und wollen daraus eine Geschichte haben – das ist Alltag.“

Er selbst befindet sich in einer komfortablen Situation, zum Beispiel als Pauschalist bei der SZ. Dennoch geht er nicht davon aus, „dass ich die Rente bei der SZ-Medienredaktion noch erlebe.“ Es werde in Zukunft kaum noch Medienseiten geben. Nicht zuletzt, weil das Zeitungssterben aus seiner Sicht längst „beschlossene Sache“ ist, denn „die Verleger bekämpfen gerade ihre letzte Ressource – die Journalisten.“