Verein Düsseldorfer
Journalisten

c/o Julie Edelmann-Veith
Brahmsstraße 2
50935 Köln
vorstand(at)duesseldorfer
journalisten.de
Von: DS

Herausragende Arbeiten in der Journalismusforschung ausgezeichnet

Verleihung des Heinrich-Heine-Journalismuspreises 2019 - überreicht durch den Vorsitzenden, Detlef Schlockermann

v.l.nr.: Julie Edelmann-Veith (Jury), Prof. Marc Ziegele (Jury), Christine Buse (Preisträgerin), Detlef Schlockermann (Jury), Selina Marie Dietl (Preisträgerin), Prof. Gerhard Vowe (Universität Düsseldorf);

v.l.nr.: Julie Edelmann-Veith, Prof. Marc Ziegele, Christine Buse, Detlef Schlockermann, Selina Marie Dietl, Prof. Gerhard Vowe;

v.l.n.r: Prof. Achim Landwehr (Universität), Christine Buse (Preisträgerin), Selina Marie Dietl (Preisträgerin), Detlef Schlockermann (Laudator)

v.l.n.r: Prof. Achim Landwehr (Universität), Christine Buse (Preisträgerin), Selina Marie Dietl (Preisträgerin), Detlef Schlockermann (Laudator)

Wortlaut der Ansprache:

 

"Mein Name ist Detlef Schlockermann,

ich freue mich, dass ich heute hier den Heinrich-Heine-Journalismuspreis verleihen darf – für zwei starke Beiträge zur Journalismusforschung.

Ich vertrete dabei die Jury, zu der neben dem NRW-Chef der Zeitung Die Welt, Andreas Fasel, auch der Ihnen sicher bekannte Prof. Dr. Ziegele und Frau Magistra Katharina Esau gehören.

Zuerst möchte ich mich aber bei den Verantwortlichen Ihrer Universität dafür bedanken, dass wir die Gelegenheit haben, in dieser feierlichen Runde die Preise zu überreichen.

Dafür verspreche ich, mich angemessen kurz zu halten.

Lassen Sie mich mit der diesjährigen 1. Preisträgerin anfangen,

Frau Christine Buse.

Ihr ist es gelungen, in Ihrer Bachelorarbeit zu zeigen, wie sehr die Berichterstattung von Medien unsere Wahrnehmung beim Thema Cybersicherheit beeinflusst.

Manche sprechen gar von Cyberkrieg und existenziellen Bedrohungen. Ich verweise nur auf den seit Monaten tobenden Streit über Hacker, die vermeintlich den Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton beeinflusst haben.

In der politischen Wirklichkeit werden solche Themen nicht selten genutzt, um demokratische Verfahren auszuhebeln und Grundrechte (vorübergehend) außer Kraft zu setzen.

Über 600 Online-Artikel internationaler Qualitäts-Medien hat Christine Buse ausgewertet. Am Ende steht das Ergebnis, dass die Berichterstattung nicht die gesellschaftliche Realität spiegelt, sondern von einer zunehmenden Politisierung geprägt ist.

Wenn ich einen Satz von Prof. Dr. Vowe zitieren darf:

„Die Fragestellung ist auch kommunikationspraktisch von Bedeutung, denn ein systematisches Bild der Medienberichterstattung liefert Journalisten Hinweise auf Verbesserungspotenziale z.B. auf vernachlässigte Themen.“

„Hinweise auf Verbesserungspotenziale“, netter konnte das Prof. Vowe nicht formulieren. Wie sie sehen, er ist grundsätzlich optimistisch, dass auch Journalisten noch dazulernen können. Ich werde dem nicht widersprechen ...

Die Jury will eine weitere Bachelor-Arbeit lobend erwähnen, die von

Selina Marie Dietl.

Sie ist der Frage nachgegangen, unter welchen Umständen sich Menschen in inzivile Online-Diskussionen einmischen und welchen Einfluss sie dabei haben.

Inzivil – ist ein wenig bildungssprachlich. Gemeint sind die Hass-Kommentare in den Sozialen Medien.

Ich arbeite für eine große Öffentlich-rechtliche Anstalt mit Sitz in Köln, die kurz nach Weihnachten schlechte Erfahrungen mit Social Media im allgemein und mit Musiksatire über Omas speziell gemacht hat.

Der Optimismus, dass in den so genannten Sozialen Medien die Menschen sich selbst kontrollieren und nicht andere Menschen oder Gruppen beleidigen und bedrohen – der ist mir seit spätestens in den vergangenen Wochen ein wenig abhanden gekommen.

Insofern hat Frau Dietl schon das Thema mutig gewählt. Gut 1.200 Facebook-Teilnehmer hat Sie befragt.

Richtig ermutigend sind die Ergebnisse leider nicht, insbesondere was die Resultate solcher Einmischungen betrifft.

Ein gewisses Defizit in der Interventionsbereitschaft der Onliner bleibt bestehen.


Interessanterweise fördert aber die Erwartung, selbst persönlich angegriffen oder beleidigt zu werden, sogar die Bereitschaft sich zu beteiligen. Wichtig bleibt aber die Frage, wie schwer die Verstöße gegen die Netiquette sind und ob man eine gewisse eigene Verantwortung empfindet.

Dennoch sind solche Erhebungen im Detail hilfreich für Journalisten, um die Mechanismen von Hassrede in Sozialen Medien besser zu verstehen

und vielleicht geschickter als bislang durch Moderation für ein positiveres Klima in den Timelines beispielsweise bei Facebook zu sorgen.

Das ist ein wenig so wie beim Thema Lernfähigkeit von Journalisten: Man muss optimistisch bleiben …

In diesem Sinne wünsche ich dieser Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden einen schönen Abend!"